Juckreiz, rote Haut, kahle Stellen, Schuppen oder Sonnenbrand: Im Sommer treten Hautprobleme bei Hund und Katze besonders häufig auf. Wärme, Feuchtigkeit, Pollen, Parasiten oder intensive UV-Strahlung können die Haut belasten. Für unsere tierischen Freunde ist das dann ein echter Albtraum und keineswegs ein Fall für die „Ach-egal-Schublade“. Woran Tierhalter erste Warnzeichen erkennen, was sofort hilft und wann eine tierärztliche Untersuchung nötig ist, erfährst du jetzt hier:
Unser PINKBREZEL-Experteninterview
Dr. Claudia Kreil-Ouschan ist Fachtierärztin für Dermatologie und führt die Ordination FELLcheck in Kärnten. Im Gespräch beantwortet sie für uns die wichtigsten Fragen zu sommerlichen Hautbeschwerden bei Hunden und Katzen.

Warum haben Hunde und Katzen im Sommer häufiger Hautprobleme?
Dr. Claudia Kreil-Ouschan: Die Wärme als auch die hohe Luftfeuchtigkeit belasten die Hautbarriere. Hunde schwimmen häufiger oder werden mit dem Gartenschlauch abgekühlt. Bleibt ihr Fell länger feucht, können sich folglich Bakterien und Hefepilze leichter vermehren. Gleichzeitig kommen Tiere draußen vermehrt mit Pollen, Gräsern, Insekten und Parasiten in Kontakt. Katzen lieben es, in der Sonne zu liegen, durch Gärten und Wiesen zu streifen. Treten Hautreizungen auf, neigen sie dazu, sich besonders intensiv zu putzen.
Welche Ursachen stecken im Sommer besonders häufig dahinter?
Dr. Claudia Kreil-Ouschan: Häufig sind Parasiten wie Flöhe, Zecken, Milben oder Grasmilben verantwortlich. Sie verursachen Juckreiz, Rötungen, Krusten und Entzündungen. Ist ein Tier besonders empfindlich, so kann bereits ein Flohbiss eine allergische Reaktion auslösen. Grasmilben reizen besonders Pfoten, Bauch, Ohren und die Bereiche zwischen den Zehen. Weitere typische Auslöser für Hautprobleme sind Pollen- und Gräserallergien, feuchtigkeitsbedingte Hautinfektionen, Insektenstiche oder UV-Strahlung.
PinkBrezel Tipp: So erkennst du Flohbefall bei deinem Vierbeiner!
Bürste deinen Hund oder deine Katze mit einem speziellen Flohkamm über ein weißes Blatt Papier oder ein Tuch. Fallen kleine schwarze Pünktchen – das ist Flohkot – aus dem Fell, besprühe sie mit Wasser. Wenn sie sich rötlich verfärben, ist der Nachweis für einen Flohbefall erbracht. Denke daran, bei der Anwendung von Parasitenschutzmitteln die richtige Tierart zu berücksichtigen: Denn bestimmte Präparate für Hunde können für Katzen ungeeignet sein.


Wie zeigen sich Allergien bei Hund und Katze?
Dr. Claudia Kreil-Ouschan: Einige Tiere sind allergisch auf Futtermittel, andere auf Umweltallergene wie Gräser oder Baumpollen. Wieder andere entwickeln Allergien gegen Hausstaub- oder Futtermittelmilben. Unabhängig von den Auslösern sind die Symptome auf der Haut deutlich erkennbar: blutige, aufgekratzte Stellen oder kahle Flecken im Fell, begleitet von starkem Juckreiz.
Die atopische Dermatitis, eine allergische Überempfindlichkeit der Haut, ist derzeit die zweithäufigste Hauterkrankung bei Hunden. Schätzungen zufolge ist jeder 5. Hund der globalen Hundepopulation betroffen. Während Hunde sich sichtbar kratzen, lecken oder scheuern, neigen Katzen dazu, sich übermäßig zu putzen. Eine Allergie ist eine chronische Erkrankung, die dein Tier lebenslang begleitet. Die Therapie besteht darin, die Erkrankung zu kontrollieren und ist jedenfalls an den tierischen Patienten angepasst.
PinkBrezel Info: Schon gewusst?
Das am häufigsten vorkommende auslösende Allergen beim Tier ist eine alte Bekannte im Bereich der Allergien: Die Hausstaubmilbe.
Was ist ein denn eigentlich ein Hot Spot beim Hund?
Dr. Claudia Kreil-Ouschan: Ein Hot Spot ist eine plötzlich auftretende, feuchte, gerötete und stark juckende Hautstelle. Auslöser können Juckreiz, aber auch kleine Verletzungen oder Insektenstiche sein. Durch Lecken und Knabbern wie den Speichel, ebenso Wärme und Feuchtigkeit verschlimmert sich die Entzündung oft innerhalb kurzer Zeit.

Hautprobleme nach dem Wasserspaß!
Dr. Claudia Kreil-Ouschan: Wenn die Haut nach dem Baden oder Schwimmen lange feucht bleibt, haben Bakterien und Hefepilze es leichter, sich zu vermehren. Anzeichen dafür können unangenehmer Hautgeruch, fettiges Fell, Schuppen, Rötungen sowie wiederkehrende Ohrprobleme sein. Dichtes Fell sollte deshalb gründlich, aber schonend getrocknet werden.
Können Hunde und Katzen einen Sonnenbrand bekommen?
Dr. Claudia Kreil-Ouschan: Sowohl Hunde als auch Katzen können von Sonnenschäden betroffen sein. Besonders gefährdet sind Tiere mit weißem oder hellem Fell, geschorenem Haarkleid sowie Nackthunde oder -katzen. Ein Sonnenbrand zeigt sich, ähnlich wie beim Menschen, zunächst durch Rötungen und Entzündungen der Haut, möglicherweise auch mit Juckreiz. Der Bereich um die Augen, die Nase und die Ohren sind dabei sehr empfindliche Körperstellen, ebenso der Rücken. Wenn Hunde oder Katzen ausgiebig in der Sonne liegen, kann auch der Bauch stark betroffen sein. Häufige Sonnenbrände können, wie bei Menschen, sogar zu Vorstufen von Hautkrebs führen.
In den USA ist es schon lange gängig, Tiere mit Sonnenschutzmitteln vor längeren Aufenthalten in der Sonne einzucremen. (Anmerkung: Unsere Dermatologie-Expertin war bei ihren Auslandsaufenthalten in der Small Animal Dermatology Clinic in San Diego tätig.) Angesichts der zunehmenden Hitzeperioden werden jedoch bei uns ebenso Sonnencremen für Hunde und Katzen wie Sonnenbrillen und Schildkappen für den Augen- und Nasenbereich mehr und regelmäßig verwendet.

PinkBrezel-Checkliste: So vermeidest du Hautprobleme im Sommer
- Achte auf ausreichenden Sonnenschutz für dein Tier: Nicht nur am Wasser, sondern auch bei Wanderungen im Gebirge.
- Bei einem Sonnenbrand: Zuerst die betroffenen Stellen mit einem feuchtem Tuch kühlen. Bei starken Rötungen unbedingt zum Tierarzt.
- Regelmäßig die Unterwolle auskämmen: Das sorgt bei Tieren mit dichtem Fall für Linderung bei heißen Temperaturen.
- Pfoten auswaschen: Nasser Sand zwischen Pfotenballen wirkt wie Schmirgelpapier, eventuell auch die Haare im Pfotenbereich kürzen.
- Nach dem Schwimmen im Meer: Unbedingt das Salzwasser im Fell mit Süßwasser ausspülen, ebenso das Haarkleid trocknen lassen, bevor du Sandkörner ausbürstest.
Fazit: Hautprobleme früh erkennen und abklären
Dr. Claudia Kreil-Ouschan: Sommerliche Hautprobleme bei Hund und Katze reichen von leichten Reizungen bis zu behandlungsbedürftigen Allergien, Infektionen oder Parasitenbefall. Wer Juckreiz, Rötungen, kahle oder nässende Stellen früh erkennt, das Fell trocken hält und Warnzeichen ernst nimmt, schützt Haut und damit das Wohlbefinden seines Tieres. Bei starken, wiederkehrenden oder sich ausbreitenden Hautproblemen sollte die Ursache jedenfalls tierärztlich untersucht werden.
Nachgefragt bei pinkbrezel.at
Ein riesiges Dankeschön an Dr. Claudia Kreil-Ouschan für das spannende Interview und die großartigen Tipps! Wer neugierig auf die bekannte und beliebte Tierärztin und ihr Team ist, sollte unbedingt bei FELLcheck.at vorbeischauen. Und für alle, die ihren Locken den ultimativen Halt verpassen wollen, ist das Interview mit dem Goldwell-Educator Sammy Husic ein Muss!
Kommentieren
Was hältst du hiervon?